A yearly program committed to an expanded idea of publishing not confined to the production and dissemination of printed matters.

Guests
Michael Götting ist Autor, Journalist, Bibliothekar und Kurator. Er leitet die Black Diaspora Library bei Each One Teach One (EOTO) e.V. und hat der AFROLUTION Literatur- und Kulturfestivals von EOTO mitkuratiert (2018 und 2019). Sein Romandebüt Contrapunctus (2015) überträgt das musikalische Konzept des Kontrapunkts in die Literatur und stellt das Leben von vier Afro-Deutschen im Berlin der Millenniumswende dar. Er schreibt u.a. für Zeit Online, den Tagesspiegel, Neues Deutschland und Sinn und Form. Bei Ballhaus Naunynstraße war er Mitkurator der Black Perspectives Festivals Black Lux (2013) und We are Tomorrow(2014).
Unpacking our library
Activation #2
October 20, 2021
Language: German
Ausgehend von den Praktiken der Community Bibliothek Each One Teach One (EOTO) e.V. in Berlin-Wedding und der legendären Afro-deutschen Magazins Afro-Look (1987-1999) werden Michael Götting, Autor, Bibliothekar und Kurator, und Ricky Reiser, Aktivistin, Redakteurin und autodidaktische Künstlerin, mit Strategien des kollektiven Lesens und Bibliotheksaktivierungen experimentieren. Beim Aufschlagen der Seiten von Afro-Look, dem Archiv der Aktivistin Vera Heyer, u.a. Archivematerial, werden sie Verbindungen zwischen Ansätzen früherer Generationen, und den heutigen Stimmen, Positionen und Kontexten herstellen.
Each One Teach One (EOTO) e.V. Bibliothek ist ein Ort für Recherche zu afrodiasporischer Literatur, Philosophie und Kultur und bietet mit dem Sankofa BRD/Sankofa DDR Archiv eine einmalige Sammlung von Primärquellen zu Schwarzer Deutscher Geschichte zur Wendezeit, wie zum Beispiel das Archiv von Vera Heyer, Ricky Reiser und Eleonore Wiedenroth-Coulibaly. Wichtiger Teil davon ist das Afrodeutsche Magazin Afro-Look (1987-1999), gegründet in West Berlin 1987, dessen Herausgeberin Ricky Reiser seit 1989 war. Afro-Look war ein politischer und publizistischer Raum für Afro-Deutsche und später auch für die afrikanische Diaspora. Afro-Look prangerte aktiv die rassistische Sprache in den deutschen Medien an und erinnerte an Autor*innen in Deutschland, wie Audre Lorde, Fasia Jansen und May Ayim. Die Leserinnen und Leser fanden auf den Seiten Gedichte und Geschichten, die oft unerzählte Narrative zum Ausdruck brachten, zum Beispiel über Afro-Deutsche Menschen in der Nazizeit. Afro-Look ging aus der 1987 in West-Berlin gegründeten “Initiative Schwarze Deutsche” (ISD) hervor, und wurde in verschiedenen Berliner Geschäften, Cafés, Bibliotheken usw. oder bei Veranstaltungen verkauft. Über den ISD-Verteiler erreichte das Magazin auch andere Städte in Deutschland und im Ausland. Einen kompletten Satz der Afro-Look finden Sie in der Each One Teach One (EOTO)-Bibliothek und eine Auswahl von Ausgaben wurde von Ricky Reiser Archive Inventory zur weiteren Verfügung im Rahmen dieses Programms übergeben.